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Tabakrauch

Tabakrauch

Das Rauchen von Tabakzigaretten ist der wichtigste Grund für zahlreiche Lungenerkrankungen. Tabakrauch enthält mehr als 4.000 Chemikalien, von denen viele toxisch und krebsfördernd sind.

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ERS Dieses Material ist die Zusammenfassung des europäischen Lungenweißbuchs, das online einsehbar ist

  • was ist das?

    Die Weltgesundheitsorganisation definiert Rauchen als Krankheit oder Gesundheitsstörung. Diese Definition wird angewendet, weil das in Zigaretten enthaltene Nikotin zu physischer Abhängigkeit führen kann, abgesehen von den verhaltensmäßigen, psychologischen und sozialen Aspekten des Rauchens. 

    Der Eurobarometer-Umfrage der Europäischen Kommission zufolge rauchten im Jahr 2012 24% aller Frauen und 32% aller Männer, wobei diese Prozentsätze je nach Alter variieren. Es muss auch festgehalten werden, dass der Tabakkonsum nicht überall hoch ist: In Island liegt er nur bei 14% für beide Geschlechter. 

  • Welche schädlichen Auswirkungen gibt es?

    Rauchen ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzerkrankungen sowie Krebserkrankungen in verschiedenen Organen. 

    Das in Zigaretten enthaltene Nikotin hat ein hohes Suchtpotential. Nikotinrezeptoren wurden im Gehirn festgestellt. Diese Rezeptoren werden aktiviert, wenn eine Person Nikotin einatmet. In der Folge wird Dopamin freigesetzt. Dopamin ist ein Glückshormon, das positive Gefühle auslöst und die Wahrscheinlichkeit einer Sucht erhöht. 

    Krebs

    Etwa ein Drittel aller Krebserkrankungen werden durch Tabakrauch ausgelöst und etwa 80%-90% aller Lungenkrebserkrankungen sind auf Tabak zurückzuführen. Lungenkrebs tötet mehr Personen in der EU als jeder andere Krebs und ist ingesamt für etwa 20% aller Krebstode verantwortlich. Rauchen kann auch Mund-, Kehlkopf-, Rachen-, Nasen- und Nebenhöhlenkrebs sowie Speiseröhren-, Magen-, Leber-, Bauchspeicheldrüsen-, Nieren-, Blasen-, Gebärmutter- und Darmkrebs auslösen sowie eine Art von Eierstockkrebs und manche Leukämiearten. 

    COPD

    Rauchen ist die wichtigste Ursache von COPD, insbesondere in Europa. Rauchen während der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter kann die Geschwindigkeit beeinträchtigen, mit der sich die Lungenfunktion entwickelt. Im späteren Leben kann Rauchen das Abnehmen der Lungenfunktion insbesondere im Alter beschleunigen. 

    Das Diagramm zeigt die altersbedingte Abnahme der Lungenfunktion bei Nichtrauchern, Rauchern und rauchentwöhnten Personen. Schwarz: Niemals Raucher und keinem Rauch ausgesetzt; Rot: Regelmäßiger Raucher und Rauch ausgesetzt; Grün: Rauchentwöhnt im Alter von 45 Jahren; Blau; Rauchentwöhnt im Alter von 65 Jahren.  FEV1: Forciertes expiratorisches Volumen in 1 s. Die horizontale rote Linie zeigt, bei welchem Grad Symptome höchstwahrscheinlich behindernd wirken. Die gestrichelte schwarze Linie zeigt, ab welchem Grad das Ableben des Patienten wahrscheinlich ist.  Wichtig: Rauchentwöhnung verlangsamt die Abbaurate der Lungenfunktion.

    Asthma

    Rauchen ist eine Ursache für Asthma in der Kindheit sowie ein Risikofaktor für Asthma im Erwachsenenalter. Rauchen wird auch mit einem erhöhten Risiko von Asthmaanfällen und Schwierigkeiten bei der Kontrolle von Asthma assoziiert. 

    TB

    Man weiß, dass Rauchen die Infektionsanfälligkeit erhöht und dass TB-Patienten, die rauchen, einem höheren Sterberisiko ausgesetzt sind.

    Erkrankungen anderer Organe

    Tabakrauch ist ein Risikofaktor für eine Reihe von  Erkrankungen außerhalb der Atemwege. Dazu gehören Herzerkrankungen wie koronare Herzkrankheiten und Schlaganfall, Osteoporose, Reproduktionsstörungen, unerwünschte Vorfälle nach chirurgischen Eingriffen, verzögerte Wundheilung, Zwölffingerdarm- und Magengeschwüre sowie parodontale Erkrankungen und Diabetes. 

  • Belastung

    • Schätzungen zufolge starben im 20. Jahrhundert weltweit etwa 100 Millionen Personen an den Folgen von Tabakkonsum und es wird angenommen, dass diese Zahl im 21. Jahrhundert auf 1 Milliarde ansteigen wird  
    • In Europa verursacht Rauchen jährlich mehr als 650.000 frühzeitige Todesfälle
    • Obwohl nur 15% der Weltbevölkerung in Europa leben, trägt Europa nahezu ein Drittel der weltweiten Belastung von durch Tabakkonsum verursachten Erkrankungen
    • Die gesamten wirtschaftlichen Kosten von Tabakkonsum reduzieren das Volksvermögen um bis zu 3,6% (als Anteil des BIP gerechnet)

    Die beste Methode, um die negativen Auswirkungen von Tabakkonsum in den nächsten 10-20 Jahren zu senken, ist die Förderung von Rauchentwöhnung bei Personen, die bereits rauchen, sowie die Vermeidung von Neuzugängen, also Personen, die jetzt mit dem Rauchen anfangen. Dies wird die Auswirkungen von durch Tabakkonsum verursachten Erkrankungen langfristig senken. 

    Manche Experten sind der Ansicht, dass Tabak gänzlich verboten werden sollte. Bislang ist kein europäisches Land zu einem gänzlichen Tabakverbot bereit, da hierfür eine Unmenge an rechtlichen Verfahren erforderlich wären.  Finnland schätzt, dass es bis zum Jahr 2040 zu einem Tabakverbot kommen wird. 

    Methoden zur Rauchentwöhnung: 

    Gesetzgebung

    Das WHO-Rahmenübereinkommen zur Bekämpfung des Tabakkonsums war das erste international verhandelte Abkommen für eine Eindämmung des Tabakkonsums und enthält eine Reihe universeller Standards, welche die Risiken des Tabakkonsums erläutern und darauf abzielen, ihn einzuschränken. Das Abkommen wurde von sämtlichen EU-Staaten unterzeichnet. 

    Besteuerung

    Der Preis von Zigaretten ist eine hochwirksame Methode zur Eindämmung des Tabakkonsums. Insgesamt ist für jeden Preisanstieg um 10% ein Abfall des Tabakkonsums um 3-4% zu verzeichnen. Die Tabakindustrie ist gegen eine erhöhte Besteuerung, oftmals mit dem Argument, dass Preisanhebungen zu verminderten Einnahmen für den Staat führen, da damit der Schmuggel von Zigaretten gefördert wird. Allerdings haben mehrere Studien gezeigt, dass dies nicht der Fall ist. 

    Eindämmung des Rauchens bei Jugendlichen

    85% aller Rauchen fangen als Jugendliche mit dem Rauchen an. Entscheidungsträger sollten ihre Anstrengungen daher auf ein Verkaufsverbot für Zigaretten an Jugendliche konzentrieren.  

    Die EU-Tabakprodukt-Richtlinie 

    Das Verbot von Werbung, Sponsoring und Verkaufsförderung für Tabakprodukte ist ein wichtiger Aspekt der Tabakeindämmung und solche Verbote sind in der EU mittlerweile weit verbreitet. 

    Die Tabakprodukt-Richtlinie wird gerade überarbeitet (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung) und enthält eine Reihe von Einschränkungen bezüglich der Vermarktung von Zigaretten, einschließlich Gesundheitswarnungen und anschauliche Bilder von durch Tabakkonsum verursachten Erkrankungen.  

    Medikamente

    Nikotinersatzprodukte wie Pflaster, Kaugummis, Inhalatoren, Nasensprays, Lutschtabletten und Mundsprays können bei der Rauchentwöhnung hilfreich sein. Außerdem können zwei Medikamente namens Vareniclin und Bupropion zum Einsatz kommen. Die meisten Gesundheitsfachkräfte sind der Meinung, dass diese Produkte am besten in Kombination mit psychologischer Unterstützung wirken, die Raucher helfen soll, ihre Sucht zu brechen.

    Beratung zur Rauchentwöhnung

    Material zur Selbsthilfe, telefonische Beratung und Gruppentherapie können bei der Rauchentwöhnung ebenfalls hilfreich sein. 

  • Gegenwärtige und zukünftige Erfordernisse

    • Mehr rauchfreie öffentliche Plätze in Europa können dabei helfen, Jugendliche davon abzuhalten, mit dem Rauchen anzufangen
    • Preisanhebungen bei Zigaretten können helfen, die durch Tabakkonsum verursachten langfristigen Erkrankungen und Todesfälle in den nächsten 20 Jahren zu reduzieren
    • Maßnahmen zur Rauchbekämpfung auf Gemeinde-, Landes- und EU-Ebene müssen verstärkt werden, mit dem Ziel, schmucklose Packungen einzuführen und Zigaretten letztendlich gänzlich aus dem Verkehr zu ziehen
    • Alle Raucher sind zu ermutigen, mit dem Rauchen aufzuhören, um die Belastung über die nächsten zwei Jahrzehnte zu verringern
    • Maßnahmen zur Rauchentwöhnung sind kostengünstig und sollten flächendeckend eingesetzt werden
    • Aufklärung bezügliche Rauchentwöhnung muss in der Ausbildung aller Gesundheitsfachkräfte und Medizinstudenten eine Rolle spielen
    • Die Vorschläge des WHO-Rahmenübereinkommens zur Bekämpfung des Tabakkonsums müssen in ganz Europa weiter umgesetzt werden