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Berufliche Risikofaktoren

Berufliche Risikofaktoren

Als "arbeitsbedingte Risikofaktoren" werden die schädlichen Auswirkungen bezeichnet, die durch das Einatmen verschiedener Partikel, Gase, Dämpfe oder Rauch am Arbeitsplatz entstehen. Diese unterschiedlichen Faktoren werden auch als "Schadstoffe" bezeichnet. 

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ERS Dieses Material ist die Zusammenfassung des europäischen Lungenweißbuchs, das online einsehbar ist

  • was ist das?

    Innerhalb der Europäischen Union gibt es Leitlinien, die sicherstellen sollen, dass sich diese Schadstoffbelastung in gewissen Grenzen hält. Diese Grenzwerte werden vom Scientific Committee on Occupational Exposure Limit Values (SCOEL) der Europäischen Kommission festgelegt. Die Gewährleistung einer Schadstoffbelastung innerhalb vertretbarer Grenzen ist eine ständige Herausforderung. 

  • Welche schädlichen Auswirkungen gibt es?

    Die Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz kann zu einer Reihe von unterschiedlichen Lungenerkrankungen und kurzfristigen Problemen führen. Das Ausmaß des tatsächlichen Schadens ist von Person zu Person verschieden und hängt vom Zeitpunkt der Belastung, dem Belastunsgrad sowie anderen Faktoren ab, z.B. ob die betreffende Person raucht oder an einer Vorerkrankung leidet, oder ob am Arbeitsplatz Schutzausrüstung verwendet wurde.

    Bei manchen Schadstoffen tritt eine Lungenerkrankung nur dann ein, wenn die Belastung über einen langen Zeitraum hinweg sehr hoch war. Bei anderen Stoffen (z.B. Asbest) ist eine Belastung über wenige Wochen hinweg ausreichend, um Jahre später eine Erkrankung auszulösen. 

    Occupational Asthma (Berufsasthma)

    Asthma ist die häufigste Erkrankung, die auf berufliche Faktoren zurückgeht. Des Weiteren können berufliche Risikofaktoren eine bestehende Asthmaerkrankung verschlimmern. 

    Von 350-400 Schadstoffen ist bekannt, dass sie Berufsasthma auslösen können. Zu diesen gehören tierische und pflanzliche Schadstoffe sowie bestimmte Metalle, Farben und Chemikalien. 

    Zu den wichtigsten Schadstoffen dieser Art gehören:

    • Milben (Zecken, Staubmilben)
    • Anhydride
    • Algen
    • Aromatische Amine
    • Arthropoden
    • Diisocyanate
    • Biologische Enzyme
    • Medikamente
    • Krustentiere, Meeresfrüchte, Fisch
    • Schmelzmittel
    • Mehl
    • Fungizide
    • Schimmel/Schimmelpilze
    • Metalle
    • Pilze
    • Quartäre Amine
    • Pflanzen
    • Reaktivfarbstoffe
    • Natürliche Produkte auf Pflanzenbasis
    • Holzstaub oder Rinde
    • Pollen
    • Verschiedene Chemikalien
    • Pflanzliche Gummis
    • Aliphatische Amine (Ethyleamine und andere)

    Berufsbedingte COPD

    Man schätzt, dass 15-20% aller Fälle von COPD auf berufliche Schadstoffbelastung zurückzuführen sind.  Dazu gehören Mineralstaub, Reizgase oder Dämpfe in der Luft.

    Klicken Sie auf nachstehende Tabelle, um eine Liste der Schadstoffe zu öffnen, die COPD verursachen können.

    Beruflich bedingter Lungenkrebs 

    Eine große Anzahl von Industrien und Berufen können das Risiko von Lungenkrebs erhöhen, wobei die meisten beruflich bedingten Lungenkrebserkrankungen von Asbest verursacht werden. In Studien wurden verschiedene Schadstoffe mit Lungenkrebs in Verbindung gebracht. Die Beweislage variiert allerdings - für manche Schadstoffe gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Hinweisen, bei anderen gibt es hinreichend wissenschaftliche Beweise, um eine Verbindung anzunehmen. 

    Berufliche Risikofaktoren für lungenkrebs

    Beruflich bedingte Pleuraerkrankungen (einschließlich Mesotheliom)

    Pleuraerkrankungen sind nahezu ausschließlich auf den Umgang mit Asbest zurückzuführen. Obwohl der Einsatz von Asbest heute verboten ist, leiden viele Personen, die in jungen Jahren mit dem Material zu tun hatten, heute an durch Asbest verursachten Erkrankungen, da deren Symptome erst bis zu 50 Jahre später auftreten können.   

    Akute Inhalationsverletzungen 

    Diese entstehen durch einen einzigen Zwischenfall, der die plötzliche, schwerwiegende Belastung durch eine Substanz zur Folge hat, z.B. das Verschütten von Chemikalien, Feuer, Gasexplosionen oder eine Belastung durch große Mengen Staub.

    Dazu gehören Reizgase wie Ammonium, Ozon oder Chlor, organische Chemikalien wie Tränen- oder Senfgas, metallische Verbindungen wie Quecksilberdampf oder Metalldämpfe sowie komplexe Gas- und Partikelmischungen wie Lösungsmittelgemische oder Brandrauch. 

    Berufliche Risikofaktoren für Akute Infektionen der unteren Atemwege

    Beruflich bedingte Infektionen

    Diese Infektionen entstehen durch Bakterienbelastung. Zu ihnen gehören Tuberkulose (TB), Q-Fieber, schweres akutes respiratorisches Syndrom (SARS), Masern und die Legionärskrankheit. 

    Gesundheitsfachkräfte, die diese Erkrankungen an anderen behandeln, sind dem größten Risiko ausgesetzt. 

    Berufliche Risikofaktoren für Infektionen

    Beruflich bedingte interstitielle Lungenerkrankungen

    Es gibt eine Reihe seltener interstitieller Lungenerkrankungen, die auf Belastungen am Arbeitsplatz zurückzuführen sind. Diese Erkrankungen werden mit dem Sammelbegriff "Pneumokoniose" bezeichnet. Zu ihnen gehören belegte Ursachen wie Kohle-, Asbest- und Staubbelastung sowie weniger bekannte Auslöser wie kristallines Silizium, Titanium und Aluminium. 

    Eine weitere wichtige interstitielle Lungenerkrankung ist die extrinsische allergische Alveolitis, die durch eine allergische Reaktion auf einen Schadstoff hervorgerufen wird. Zu ihren Ursachen gehören Vogelkot und Federn, Kühlwasser aus Klimaanlagen, Bakterien im Dampf von Whirlpools und Schimmelschadstoffe von Holzspänen, Käse, Heu, Stroh oder Getreide. 

    Berufliche Risikofaktoren für interstitielle Lungenerkrankungen

  • Belastung

    Belastung durch Feinstaub, Gasen, Dämpfen oder Rauch am Arbeitsplatz verursacht:

    • 15% aller Atemwegkrebserkrankungen bei Männern und 5% bei Frauen
    • 15-20% aller Asthmaerkrankungen bei Erwachsenen
    • 15-20% aller Fälle von chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) 
    • 10% aller Fälle von interstitiellen Lungenerkrankungen 
  • Gegenwärtige und zukünftige Erfordernisse

    • Nationale und internationale Behörden bestimmen Grenzwerte für die maximale Konzentration einer breiten Palette von Substanzen. Allerdings sind diese Grenzwerte meistens nicht so niedrig angesetzt, dass das Auftreten einer Allergie gegenüber einem bestimmten Schadstoff ausgeschlossen werden kann. In Zukunft müssen Grenzwerte für den Arbeitsplatz auch darauf Rücksicht nehmen, welche Konzentrationen Allergien hervorrufen können, und sich nicht nur auf beruflich bedingte Erkrankungen konzentrieren
    • Wenn Verdacht auf eine beruflich bedingte Erkrankung besteht, müssen Gesundheitsfachkräfte jede berufliche Tätigkeit, die der Patient jemals ausgeübt hat, genau aufzeichnen, da einige Erkrankungen latent sind. d.h. Symptome erst Jahre nach einer Exposition auftreten
    • In Zukunft müssen Grenzwerte für den Arbeitsplatz auch darauf Rücksicht nehmen, welche Konzentrationen Allergien hervorrufen können, und sich nicht nur auf beruflich bedingte Erkrankungen konzentrieren
    • Ärzte müssen hinsichtlich der Aufzeichnung der Schadstoffbelastung für den jeweiligen Patienten geschult werden.
    • Für neu identifizierte Schadstoffe muss umgehend ein regulatives Rahmenwerk geschaffen werden.