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Pulmonale Gefäßerkrankungen

Pulmonale Gefäßerkrankungen

Man unterscheidet zwischen zwei Arten von pulmonalen Gefäßerkrankungen: Pulmonale Embolie (Lungenembolie) und pulmonale Hypertonie.

Lungenembolien entstehen durch eine Verstopfung der Lungenarterien durch Blutpfropfen, meist nach einer Thrombose in den Beinvenen oder an einer anderen Stelle.

Die pulmonale Hypertonie entsteht durch Bluthochdruck in den Lungenarterien, die Blut vom Herzen zur Lunge transportieren. Dadurch kann die rechte Seite des Herzens geschädigt werden, welche dann nicht mehr in der Lage ist, Blut auf effiziente Weise durch den Körper zu transportieren. Pulmonale Hypertonie kann zu Herzversagen führen und tödlich sein.

 

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ERS Dieses Material ist die Zusammenfassung des europäischen Lungenweißbuchs, das online einsehbar ist

  • Symptome

    Lungenembolie

    Eine Lungenembolie muss nicht unbedingt Symptome auslösen. Eventuell können folgende Symptome auftreten: 

    • Atemnot
    • Schmerzen in der Brust
    • Husten
    • Bluthusten
    • Fieber
    • Schneller Herzschlag
    • Schnelles Atem
    • Ohnmacht

    Pulmonale Hypertonie

    Zu den Symptomen der pulmonalen Hypertonie gehören: 

    • Atemnot
    • Extreme Müdigkeit (Erschöpfung)
    • Eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit
    • Schmerzen in der Brust
    • Bluthusten
    • Heiserkeit
  • Ursachen

    Lungenembolie

    Eine Lungenembolie wird normalerweise von einem Blutpfropfen in den Bein- oder Beckenvenen verursacht. Dieser Pfropfen kann sich lösen und durch das Venensystem bis zu den Lungenarterien gelangen. Manche Personengruppen laufen ein höheres Risiko, an einer Thrombose zu erkranken. Dazu gehören ältere Personen, Personen, die nach medizinischen oder chirurgischen Eingriffen längere Zeit bettlägrig waren, Personen, die eine Vorgeschichte von Thrombosen haben und Personen, die Hormonersatztherapie erhalten oder orale Kontrazeptiva einnehmen. 

    Pulmonale Hypertonie

    Die Ursachen der pulmonalen Hypertonie reichen von genetischen Faktoren bis hin zu anderen bestehenden Erkrankungen. In manchen Fällen gibt es keinen bekannten Grund für die Erkrankung (idiopathisch).  

    Es gibt viele verschiedene Formen der pulmonalen Hypertonie, die alle unterschiedlich behandelt werden müssen. Die Erkrankung wird in fünf Hauptgruppen unterteilt: 

    1. Pulmonale arterielle Hypertonie (PAH) aus verschiedenen Gründen
    2. Pulmonale Hypertonie aufgrund von Linksherzerkrankungen
    3. Pulmonale Hypertonie aufgrund von Lungenerkrankungen oder Sauerstoffmangel (Hypoxie)
    4. Chronische thromboembolische pulmonale Hypertonie, bei der die Blutgefäße von Blutgerinnseln blockiert oder verengt werden
    5. Pulmonale Hypertonie ohne bekannte Ursache oder mit mehreren Auslösern  
  • Vorbeugung

    Lungenembolie

    Vorbeugende Medikamente wie Heparin können verabreicht werden, um das Risiko einer Thrombose und somit einer Lungenembolie zu senken. Anti-Vitamin K-Präparate können nach einer Lungenembolie verabreicht werden, um das Risiko eines Blutgerinnsels zu senken. Orale Antikoagulantien, die einfach zu verschreiben sind und einer weniger strikten Überwachung bedürfen sind derzeit in Entwicklung.  

    Pulmonale Hypertonie

    Personen mit langfristigen Erkrankungen sind mit Sauerstofftherapie zu behandeln, um die Entstehung von pulmonaler Hypertonie zu verhindern. Es ist keine Methode bekannt, mit der pulmonale arterielle Hypertonie verhindert werden kann.

  • Diagnose und Behandlung

    Lungenembolie

    Eine Lungenembolie ist oft schwer festzustellen. Ärzte müssen sich auf die Identifizierung von Symptomen sowie die Krankengeschichte der betreffenden Person verlassen. Des Weiteren können routinemäßige Tests wie Bruströntgen oder Elektrokardiogramm hilfreich sein. 

    Bei der Diagnose von Lungenembolien kommt auch ein Bluttest namens D-Dimer zu Einsatz, mit dem eine Lungenembolie ausgeschlossen werden kann, sowie eine CT-Angiographie (ein Bildgebungsverfahren, bei dem Röntgenstrahlen verwendet werden), Computertomographie und Magnetresonanzbilderzeugung (MRI).

    In Notfällen kann eine am Bett durchgeführte Echokardiographie angewendet werden, die mittels Ultraschall ein Bild des Herzens liefert und so für die Diagnose einer Lungenembolie herangezogen werden kann. Des Weiteren kann mittels Ultraschall getestet werden, ob ein Blutpfropfen in den Bein- oder Beckenvenen vorhanden ist, der eine Lungenembolie auslösen könnte. 

    Eine Lungenembolie kann mit als Antikoagulantien (Gerinnungshemmer) bezeichneten Medikamenten behandelt werden. Zusätzlicher Sauerstoff wird bei Personen angewendet, die unter Atemnot leiden. Thrombolytische Medikamente, die den Blutpfropfen in den Lungenarterien auflösen können, werden für Personen empfohlen, die unter wiederkehrender Herzschwäche leiden und bei denen ein besonders hohes Risiko einer Lungenembolie besteht. Wenn diese Behandlungen nicht funktionieren, kann der Blutpfropfen eventuell chirurgisch entfernt werden. 

    Pulmonale Hypertonie

    Eine frühe Diagnose der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) ist schwierig, da viele Patienten keine oder nur wenige Symptome aufweisen oder einfach untrainiert wirken. PAH kann in jedem Alter auftreten. Das Durchschnittsalter von mit PAH diagnostizierten Personen liegt bei 50 Jahren. Bei der Diagnose sind Ärzte auf die Bewertung der Symptome sowie anderer Faktoren wie Alter und bestehende Erkrankungen angewiesen. Viele Personen suchen erst in einem späten Stadium der Erkrankung eine Arzt auf, wenn Zeichen von Herzinsuffizienz eintreten. 

    Wenn Verdacht auf pulmonale Hypertonie besteht, können zwei Verfahren angewendet werden, um die Diagnose zu erleichtern: Das erste wird als Echokardiogramm bezeichnet und verwendet Schallwellen, um ein bewegtes Bild des Herzens zu erzeugen.  Das zweite wird als Rechtsherzkatheteruntersuchung bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein invasives Verfahren, bei dem eine dünne Sonde (Katheter) in das Rechtsherz und in die Lungenarterien eingeführt wird, um zu messen, wie gut das Herz arbeitet und um den arteriellen Blutdruck festzustellen. 

    Breite Untersuchungsprogramme, die bei der Identifizierung von besonders gefährdeten Personen helfen, sind bei der Frühdiagnose der Erkrankung hilfreich. 

    Es gibt bislang keine Heilung für pulmonale Hypertonie, aber grundlegende Medikamente wie Antikoagulantien oder Sauerstoffzufuhr können helfen. Patienten mit pulmonaler arterieller Hypertonie können mit spezifischen Therapien behandelt werden, zu denen Prostazykline, Endothelin-Rezeptor-Antagonisten oder Typ 5-Phosphodiesterase-Inhibitoren gehören. 

    Wenn pulmonale Hypertonien auf chronische thrombo-embolische Erkrankungen zurückzuführen sind, kann ein chirurgischer Eingriff namens pulmonale Endarterektomie die Erkrankung heilen, indem der Blutpfropfen und Narbengewebe in den Blutgefäßen der Lunge entfernt werden. 

    Bei extrem starker Ausprägung der Erkrankung kann eine Lungentransplantation erforderlich werden. Wenn ein Zusammenhang zwischen der pulmonalen Hypertonie und langfristigen Herz- oder Lungenerkrankungen besteht, wird die Behandlung der Grunderkrankung empfohlen.

  • Belastung

    • In Europa tritt jährlich bei 6-20 Personen per 10.000 eine Lungenembolie auf
    • 7–11% aller Personen mit Lungenembolie überleben diese nicht  
    • In Europa sind jährlich 1,5–5,2 Fälle von pulmonaler arterieller Hypertonie pro 100.000 Personen zu verzeichnen 
    • Pulmonale arterielle Hypertonie tritt häufiger bei Frauen auf als bei Männern
    • Die mediane Überlebensrate bei pulmonaler arterieller Hypertonie ohne spezifische Behandlung liegt bei 2,8 Jahren
    • Obwohl pulmonale arterielle Hypertonie als selten gilt, ist die Gesamtbelastung aller Arten von pulmonaler Hypertonie nicht bekannt
    • Die Belastung durch pulmonale Hypertonie wird sowohl in den Industriestaaten als auch den Entwicklungsländern unterschätzt

    Sterberate für pulmonale Gefäßerkrankungen. World Health Organization World and Europe Detailed Mortality Databases, aktualisiert im November 2011

     

  • Gegenwärtige und zukünftige Erfordernisse

    • Verbesserte diagnostische Methoden bei Lungemembolie sind vonnöten
    • Antithrombotische Prophylaxe mit Herparin mit geringem Molekulargewicht reduzieren das Risiko einer venösen thrombo-embolischen Erkrankung bei Risikopatienten und damit auch das Risiko einer Lungenembolie
    • Ein geschärftes Bewusstsein für pulmonale Hypertonie ist für die frühe Diagnose und Behandlung der Erkrankung unerlässlich
    • Es bedarf vermehrter Forschungsaktivitäten, um die Gründe von pulmonaler Hypertonie zu identifizieren
    • Neue Therapien sind für die Behandlung von pulmonaler arterieller Hypertonie erforderlich, da bislang keine Heilung existiert
    • Vorbeugungsmechanismen sind für Personen zu verbessern, bei denen ein erhöhtes Risiko von pulmonaler Hypertonie besteht