Sprachauswahl öffnenOpen language selection Deutsch Menü Suche
Spenden

Lungenerkrankungen bei Kindern

Lungenerkrankungen bei Kindern

Studien haben gezeigt, dass Lungenprobleme für etwa ein Viertel aller Termine von Kindern bei Allgemeinmedizinern verantwortlich sind. Die beiden Haupterkrankungen im Kindesalter sind Asthma und zystische Fibrose, die in separaten Abschnitten behandelt werden. Andere weit verbreitete Lungenerkrankungen im Kindesalter werden hier besprochen. 

 

Lungenerkrankungen bei Kindern PDF Laden Sie unsere Infographik herunter, diese gibt Ihnen wichtige Informationen über Lungenerkrankungen bei Kindern

ERS Dieses Material ist die Zusammenfassung des europäischen Lungenweißbuchs, das online einsehbar ist

Sehen Sie unsere „Patient Priorities“-Website für ChILD-Patienten an.

Die „Patient Priorities“-Website der ELF wurde mit der Unterstützung von Patienten und medizinischem Fachpersonal aus ganz Europa entwickelt. Sie bietet detaillierte Informationen und Unterstützung für Eltern, Pflegepersonal und Angehörige von Kindern mit der Diagnose interstitielle Lungenerkrankung im Kindesalter (ChILD).

„Patient Priorities“-Website
  • Lungenerkrankungen

    Bronchiolitis 

    Bronchiolitis bezeichnet die Entzündung bzw. das Anschwellen der feinsten Bronchienverzweigungen, der so genannten Bronchiolen. Die Erkrankung kommt hauptsächlich bei Babys und Kleinkindern unter 2 Jahren vor und ist der häufigste Grund für eine Krankenhausaufnahme von Babys, die jünger sind als 1 Jahr. 

    Bronchiolitis wird von einer Virusinfektion verursacht, meistens durch das Respiratorische Syncytiale Virus (RSV). Dies ist die häufigste Lungeninfektion bei Babys und Kleinkindern.  Bei den meisten Babys tritt vor ihrem 2. Geburtstag eine RSV-Infektion auf. Die Symptome ähneln denen einer gewöhnlichen Erkältung. Das Virus verursacht übermäßige Schleimbildung sowie Schwellungen der Auskleidungen der kleinen Luftwege. 

    Bei vom Virus infizierten Kindern tritt rasches Atmen, Reizbarkeit, Appetitlosigkeit und Erbrechen auf. 

    Babys, die mit dem Respiratorischen Syncytialen Virus (RSV) infiziert wurden, benötigen normalerweise besondere Pflege, aber keine Medikamente. In extrem schwerwiegenden Fällen können eventuell antivirale Medikamente verabreicht werden. Babys, bei denen ein besonders hohes Risiko der Erkrankung besteht, können mit einem Antikörper namens Palivizumab behandelt werden, um schwerwiegende Infektionen zu lindern.  

    Mit Frühgeburt assoziierte Lungenerkrankung, einschließlich bronchopulmonale Dysplasie (BPD)

    Bei Frühgeburten besteht ein besonders hohes Risiko von Lungenproblemen. Die Lunge ist eines der Organe, das sich erst gegen Ende der Schwangerschaft voll entwickelt. Das bedeutet, dass ein zu früh geborenes Baby noch nicht über eine voll entwickelte Lunge verfügt.

    In einer in den USA durchgeführten Studie von 100 Kindern, die nach 23 Wochen zur Welt kamen, starben 60 noch im Krankenhaus, zumeist an respiratorischer Insuffizienz. 

    Die häufigste Lungenerkrankung, an der Frühgeburten leiden, ist bronchopulmonale Dysplasie (BPD). 

    BPD ist eine der wichtigsten Komplikationen bei zu früh gebornenen Babys: 23% aller Babys, die nach 28 Wochen zur Welt kommen, und 73% aller Babys, die nach 23 Wochen zur Welt kommen, leiden an dieser Erkrankung . Sie geht mit raschem, schwerem Atem mit Keuchen und Husten einher sowie mit Problemen bei der Einhaltung normaler Sauerstoffwerte, was häufig eine künstliche Beatmung erfordert.  

    BPD wird typischerweise diagnostiziert, wenn ein Baby, das älter ist als 28 Tage, noch immer zusätzlichen Sauerstoff benötigt und weiterhin an respiratorischen Problemen leidet. Die Behandlung zielt darauf ab, die Atmung zu unterstützen, bis die Lungen sich ausreichend entwickelt haben. Allerdings führt BPD oft zu Atemproblemen in der Kindheit sowie im Erwachsenenalter. Die Erkrankung ist bislang nicht heilbar und zusätzliche Forschungsaktivitäten sind vonnöten, um Babys, die mit nicht ausreichend entwickelten Lungen zur Welt kommen, effektiv behandeln zu können. 

    Lungenentzündung (Pneumonie)

    Lungenentzündung ist weltweit häufig anzutreffen, insbesondere aber in den Entwicklungsländern. Schätzungen zufolge treten jährlich etwa 151 Millionen neuer Fälle bei Kindern unter 5 Jahren in Entwicklungsländern auf. . In den Industriestaaten sind schwerwiegende Komplikationen normalerweise auf Kinder mit Grunderkrankungen beschränkt. 

    Lungenentzündungen sind besonders bei jüngeren Kindern häufig und treten oft nach einer Erkältung, nach Husten oder Halsentzündungen auf. Sie werden leicht von Person zu Person übertragen, entweder über die Luft oder eine verschmutzte Oberfläche. Lungenentzündungen werden am häufigsten über den Bazillus Streptococcus pneumoniae oder ein Virus übertragen, z.B.: 

    • Adenovirus
    • Rhinovirus
    • Influenzavirus
    • Respiratorisches Syncytiales Virus (RSV)

    Personen, die an einer Lungenentzündung erkrankt sind, haben normalerweise Husten sowie andere Symptome, z.B. Fieber oder Atemnot. Die Anzahl der Erkrankungen sowie der durch Lungenentzündung verursachten Todesfälle unterscheidet sich beträchtlich von Land zu Land. Dies ist auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen, darunter Unterernährung, Überbelegung, niedriges Geburtsgewicht, eine bestehende HIV-Infektion und die Effizienz von Impfprogrammen in den einzelnen Ländern. In Osteuropa ist die Sterberate bei Lungenentzündung höher als im Westen

    Lungenentzündung kann auch als eine Komplikation bei Masern auftreten und kommt bei 5% -10% aller Kinder mit Masern vor. 

    Lungenentzündung wird normalerweise mittels Bruströntgen diagnostiziert, welches die typische Schattenbildung auf der Lunge zeigt. Normalerweise wird Lungenentzündung mit Antibiotika behandelt. Antibiotika töten zwar Bakterien, nicht aber Viren. Da die Ursache von Lungenentzündung im Frühstadium der Erkrankung oft nicht bekannt ist, werden Antibiotika verabreicht, um bakterielle Ursachen zu bekämpfen. Auch kann eine bakterielle Infektion als Folge einer Virusinfektion auftreten.  

    Tuberkulose (TB)

    TB wird vom Bazillus Mycobacterium Tuberculosis verursacht. TB bei Kindern tritt normalerweise durch Kontakt mit einer Person im Haushalt auf, die an aktiver TB leidet.

    Babys und Kinder sind einem erhöhten Ansteckungsrisiko mit TB ausgesetzt. Bei ihnen tritt eine aktive Form der Erkrankung rascher auf als bei Erwachsenen. Ohne entsprechende Behandlung liegt das Sterberisiko bei Babys mit TB bei 50-60%.  

    Die Symptome von TB variieren. In den meisten Fällen gehören Husten, Brustschmerzen, Auswurf, Müdigkeit und Appetitmangel dazu. 

    Die Diagnose von TB kann sich schwierig gestalten, da es oft problematisch ist, Auswurfproben von Kindern zu erhalten. Der Arzt wird die Symptome des Kindes und Gewebeproben analysieren sowie Informationen darüber einholen, ob das Kind mit einer infizierten Person in Berührung kam und auf Basis dessen eine Diagnose erstellen. 

    Obwohl bei Kindern ein erhöhtes Risiko einer TB-Erkrankung besteht, ist TB keiner der Hauptgründe für Tod im Kindesalter. Der Bacille Calmette-Guerin (BCG) Impfstoff wird in manchen Ländern verwendet, in denen TB relativ häufig vorkommt. In vielen Ländern wird der Impfstoff generell nicht mehr eingesetzt, da die Wahrscheinlichkeit von TB äußerst gering ist.  

    Lungenprobleme ab Geburt (angeborene Lungenprobleme)

    Angeborene Lungenprobleme sind ab Geburt vorhanden und beeinträchtigen Struktur und Funktion der Lunge. Sie können das Zwerchfell, die Lunge, die Blutzufuhr, die Bronchien, den Kehlkopf und den Mund in Mitleidenschaft ziehen. 

    Die Ursache für angeborene Erkrankungen sind generell nicht bekannt. In manchen Fällen sind sie auf eine Erbkrankheit zurückzuführen. Ein Beispiel dafür ist die Primäre Ziliendyskinesie, bei der ein Kind ein fehlerhaftes Gen von einem Elternteil erbt. 

    Die Auswirkungen von angeborenen Lungenproblemen äußern sich normalerweise im ersten Lebensjahr. Die Symptome der primären Ziliendyskinesie sind die Unfähigkeit, Schleim aus der Lunge abzuhusten, wiederkehrende Bronchitis, ständig verstopfte Nase sowie Nebenhöhlenentzündung. 

    Die Diagnose und Behandlung von angeborenen Lungenproblemen muss in spezialisierten Zentren erfolgen, da diese Erkrankungen selten und oft schwer behandelbar sind. 

    Keuchhusten

    Keuchhusten wird auch als Pertussis bezeichnet und ist eine kurzfristige Atemwegsinfektion, die vom Bazillus Bordetella Pertussis hervorgerufen wird. Zu den Symptomen gehören lange Hustenanfälle, oft gefolgt von dem typischen "Keuchen" beim Einatmen des Kindes. Der Husten kann Wochen oder Monate andauern. 

    Da die meisten Kinder in der EU gegen Keuchhusten geimpft werden, sind die Symptome oft mild. Allerdings kommt Keuchhusten noch immer vor, da der Impfstoff keinen lebenslangen Schutz bietet. Zunehmend ist Keuchhusten auch bei Erwachsenen anzutreffen. 

  • Vorbeugung

    Impfprogramme stellen eine wirksame Methode zur Prävention bestimmter Krankheiten dar, darunter bestimmte Arten von Lungenentzündung, TB und Keuchhusten. Impfprogramme schützen normalerweise 90% der Bevölkerung und haben die Krankheitsrate von Erkrankungen wie Keuchhusten, Masern und Infektionen mit Haemophilus influenzae und Streptococcus pneumoniae (Pneumococcus) in allen europäischen Ländern in den letzten 20 Jahren erheblich gesenkt. 

    Für das respiratorische syncytiale Virus (RSV) ist gegenwärtig kein Impfstoff verfügbar.  

  • Belastung

    Die meisten Erkrankungen im Kindheitsalter haben massive Auswirkungen nicht nur während der Kindheit, sondern auch im Erwachsenenalter. Des Weiteren variieren die Betreuungsleistungen in Europa von Land zu Land beträchtlich. 

    In den letzten Jahren ist die Anzahl der Kinder, die eine Frühgeburt überleben, angestiegen, und damit auch die Anzahl der Kinder und Erwachsenen, die an Lungenerkrankungen aufgrund einer Frühgeburt leiden. 

    • 1-2% aller Kinder im 1. Lebensjahr werden mit einer RSV-Infektion in das Krankenhaus aufgenommen. Insbesondere in den Baltischen Staaten ist die Rate hoch
    • Etwa ein Viertel aller Arztbesuche von Kindern hat mit Lungenproblemen zu tun
    • 73% aller Babys, die nach 23 Wochen zur Welt kommen, leiden an BPD 
    • 151 Millionen neuer Fälle von Pneumonie treten jährlich bei Kindern unter 5 Jahren in den Entwicklungsländern auf 
    • Die Gesamtanzahl von TB-Erkrankungen in Europa lag bei ca. 11.000 im Jahr 2010. In den osteuropäischen Ländern ist die Zahl erheblich höher
    • Gemeinsam mit Hautproblemen zeichnen die Kosten für Primärversorgung bei Atemwegserkrankungen für etwa die Hälfte der Gesamtkosten vor Primärversorgungsleistungen verantwortlich

     

    Sterberate für Lungenentzündung bei Kindern. Daten der World Health Organization World and Europe Detailed Mortality Databases, aktualisiert im November 2011

  • Gegenwärtige und zukünftige Erfordernisse

    • Verstärkte Aufmerksamkeit muss der Versorgung von Babys mit BPD gewidmet werden, insbesondere in Mittel- und Osteuropa
    • Es ist wichtig, die Ursachen für die variierenden Sterberaten bei Pneumonie in den verschiedenen Ländern zu identifzieren, um wirksame Interventionsprogramme initiieren zu können
    • Verbesserte Diagnostiktests für TB bei Kindern sind notwendig, um eine verlässliche Diagnose anstellen zu können
    • Zusätzliche Daten zur Häufigkeit von multiresistenter TB und extrem-arzneimittelresistenter TB in Europa sind erforderlich
    • TB im Kindesalter wurde vernachlässigt und wird bei TB-Schutzprogrammen oft übersehen
    • Es besteht dringender Bedarf an Impfstoffen, die lebenslang vor Keuchhusten schützen
    • Ein leistbares, hochwirksames Impfprogramm für RSV wird in Zukunft erforderlich sein, insbesondere in Osteuropa, um die Anzahl von Todesfällen aufgrund dieser Infektion zu senken
    • Eine europäische Datenbank für die Bereitstellung von Informationen zu BPD wird benötigt, um die Kosten, die Kosteneffizienz und die langfristigen Auswirkungen der Behandlung zu untersuchen