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Beruflich bedingte Lungenerkrankungen

Beruflich bedingte Lungenerkrankungen

Beruflich bedingte Lungenerkrankungen sind Erkrankungen, die durch die Materialien, mit der eine Person am Arbeitsplatz in Berührung kommt, ausgelöst oder verschlimmert werden. 

Die Auswirkungen solcher Erkrankungen wird aufgrund der hohen Dunkelziffer oft unterschätzt. So treten beruflich bedingte Lungenerkrankungen beispielsweise häufig bei älteren Personen auf, die nicht mehr im Berufsleben stehen, aber deren Erkrankung sehr wohl auf ihren früheren Beruf zurückzuführen ist. 

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ERS Dieses Material ist die Zusammenfassung des europäischen Lungenweißbuchs, das online einsehbar ist

  • Lungenerkrankungen

    Asthma 

    Asthma ist die häufigste beruflich bedingte Lungenerkrankung. Es wird geschätzt, dass eine von sieben schweren Asthma-Exazerbationen mit einer Belastung von Substanzen am Arbeitsplatz ausgelöst wird. Belastungen am Arbeitsplatz sind Schätzungen zufolge für 15% aller Asthmaerkrankungen im Erwachsenenalter verantwortlich.

    Die Anzahl der Substanzen, die mit Asthma in Verbindung gebracht werden, wächst stetig an:

    • Tierische und pflanzliche Proteine sowie Proteine aus Meeresfrüchten
    • Künstlich hergestellte Proteine, die in Textilien, Waschmitteln und Klebstoffen verwendet werden
    • Metallische Wirkstoffe, die in Fabriken eingesetzt werden
    • Synthetische Chemikalien, die in Sprühfarben, Schaumstoffen und Klebemitteln zum Einsatz kommen

    Bestehende Asthmasymptome können auch durch das Arbeitsumfeld verschlimmert werden. Dies wird als "beruflich verschlimmertes Asthma" bezeichnet. In Anbetracht der wichtigen Rolle, die berufliche Faktoren bei der Entwicklung und Verschlimmerung von Asthma spielen, muss dem Arbeitsplatz eine wichtige Rolle bei der Prävention von Asthma zukommen. 

    Akute Inhalationsverletzungen

    Diese entstehen durch einen einzigen Zwischenfall, der die plötzliche, schwerwiegende Belastung durch eine Substanz zur Folge hat, z.B. das Verschütten von Chemikalien, Feuer, Gasexplosionen oder eine Belastung durch große Mengen Staub. Lungenkomplikationen sind auch eine wichtige Todesursache bei Personen, die mit Brandverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Diese Belastungen können Asthma und andere, seltene Erkrankungen hervorrufen, wie Metalldampffieber und Organisches Staubsyndrom. 

    Zu den Risikogruppen gehören Landarbeiter, Feuerwehrmänner und Einsatzkräfte. Studien aus Schweden und Finnland haben gezeigt, dass 1 von 10 Bauern eine akute Inhalationsverletzung aufgrund vermehrter Staubbelastung erlitten hat. 

    Beruflich bedingte Infektionen

    Diese Infektionen entstehen durch bakterielle Belastung. Zu ihnen gehören:

    • Tuberkulose (TB ) Die am meisten betroffene Risikogruppe sind Gesundheitsbedienstete, die die Erkrankung bei anderen behandeln
    • Legionärskrankheit: Diese Erkrankung wird üblicherweise durch Klimaanlagensysteme übertragen und stellt eine Gefahr für Hotelangestellte sowie Mitarbeiter in Freizeitzentren oder auf Kreuzschiffen dar, sowie für aller Personen, die in beengten, überfüllten Räumlichkeiten arbeiten (z.B. Schulen)
    • Q-Fieber: Diese Erkrankung wird durch bei Nutztieren, Nagetieren, Katzen und Hunden vorkommende Bakterien ausgelöst und stellt ein Risiko für Landarbeiter dar

    Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

    Die meisten Fälle von  COPD werden durch Rauchen verursacht. Studien zufolge werden aber 15-20% aller Fälle von COPD zumindest teilweise von einem bestimmten Material bzw. Wirkstoff am Arbeitsplatz ausgelöst.  

    Dazu gehören Mineralstaub, Reizgase oder Dämpfe in der Luft. Eine Ansammlung dieser Substanzen kann chronischen Husten, chronische Bronchitis und COPD verursachen. Berg- und Landarbeiter sind dem größten Risiko ausgesetzt. 

    Es wird geschätzt, dass 39.000 Todesfälle in Europa im Jahr 2000 auf Staub- und Dampfbelastung am Arbeitsplatz zurückzuführen waren. 

    Interstitielle Lungenerkrankungen

    Es gibt eine Reihe seltener interstitieller Lungenerkrankungen, die klar auf Belastungen am Arbeitsplatz zurückzuführen sind. Dazu gehören:

    Pneumokoniose: Diese Erkrankung wird durch Quarzstaub, Asbest oder Kohlenstaub ausgelöst. Staubkontrolle am Arbeitsplatz sowie das Verbot von Asbest bei Bauarbeiten hat zu einem verringerten Auftreten dieser Erkrankungen geführt. Heute werden sie hauptsächlich bei Personen festgestellt, die vor vielen Jahren mit diesen Substanzen zu tun hatten. Schätzungen zufolge wurden im Jahr 2000 in Europa 7.200 Fälle von Pneumokoniose aufgrund von Quarzstaub, Asbest oder Kohlenstaub festgestellt. 

    Metallbedingte Lungenerkrankungen: Lungenerkrankungen können auch durch den Umgang mit Metallen entstehen, z.B. Beryllium, welches in der Luftfahrtindustrie eingesetzt wird, oder Kobalt, welches für Legierungen und Batterien verwendet wird. Diese Erkrankungen können leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden, z.B. mit Sarkoidose. Vermehrte Anstrengungen sind vonnöten, um sicherzustellen, dass sie als beruflich bedingte Erkrankungen anerkannt werden. 

    Extrinsische allergische Alveolitis: Diese Erkrankung wird durch eine allergische Reaktion auf eine Substanz am Arbeitsplatz ausgelöst, welche die Alveolen (Lungenbläschen) schädigt. Die Ursachen sind vielfältig. Zu ihnen gehören der Umgang mit organischem Staub, Holz, Vögel und Vogelfutter sowie Gemüselager. In den Achtzigerjahren in Schweden wurde die Inzidenz auf 2-6 Fälle pro 1.000 Landarbeiter geschätzt. 

    Andere interstitielle Lungenerkrankungen: Seltene Erkrankungen können plötzlich als Ergebnis einer Belastung am Arbeitsplatz ausbrechen. Ein Beispiel dafür ist eine schwerwiegende Form der Lungenentzündung bei Textilarbeitern namens Ardystil-Syndrom, welches von aerolosierten Farben verursacht wird. Diese seltenen Ausbrüche erinnern daran, dass Arbeiter keinen aerolosierten Verbindungen ausgesetzt werden dürfen, ehe diese getestet und für sicher befunden wurden.  

    Ein weiterer Bereich, der Anlass zur Sorge bereitet, ist der Einsatz von Nano-Materialien für eine Reihe neuer Anwendungen. Obwohl es bislang keine robusten Daten gibt, die belegen, dass Lungenerkrankungen durch den Umgang mit Nano-Materialien entstehen können, haben einige an Tieren durchgeführte Untersuchungen gezeigt, dass hier eventuell Risiken für den Menschen bestehen könnten. 

    Lungenkrebs

    Eine Reihe von Substanzen am Arbeitsplatz können Krebs verursachen, darunter Asbestfasern, Nickelverbindungen, Arsen, Dieselabgase und Radongas. Diese Wirkstoffe können auch mit Zigarettenrauch reagieren und so Schäden hervorrufen. Passivrauch von Kollegen wird ebenfalls als Exposition am Arbeitsplatz klassifiziert. Es wird angenommen, dass 15% aller Fälle von Lungenkrebs bei Männern und 5% bei Frauen auf Belastungen am Arbeitsplatz zurückzuführen sind.  Die Dunkelziffer von beruflich bedingtem Lungenkrebs ist hoch, da viele Personen mit Lungenkrebs Raucher oder ehemalige Raucher sind.

    Pleuraerkrankungen (einschließlich Mesotheliom)

    Pleuraerkrankungen sind nahezu ausschließlich auf den Umgang mit Asbest zurückzuführen. Obwohl der Einsatz von Asbest heute verboten ist, leiden viele Personen, die in jungen Jahren mit dem Material zu tun hatten, heute an durch Asbest verursachten Erkrankungen. 

    Pleuraerkrankungen können gutartig sein, was bedeutet, dass der Tumor sich nicht ausbreitet. Solche Erkrankungen treten meist bei Personen auf, die nur geringfügig mit Asbest zu tun hatten. 

    Zu den bösartigen Formen der Erkrankung gehört Mesotheliom, welches normalerweise nach mehr als 30 Jahren nach der Asbestbelastung auftritt und welches schätzungsweise 250.000 Opfer zwischen 1995 und 2029 fordern wird. Diesen Schätzungen zufolge wird einer von 150 Männern, die zwischen 1945 und 1950 geboren wurden, an diesem Tumor sterben. Der Tumor ist nicht heilbar. 

  • Vorbeugung

    Prinzipiell sollten beruflich bedingte Lungenerkrankungen leichter zu verhindern sein als Erkrankungen, die auf genetische Faktoren, Lebenswandel oder die Umwelt zurückzuführen sind. Es sollte möglich sein, die jeweilige Situation dahingehend zu ändern, dass die Belastung durch den Schadstoff ausgeschlossen werden kann. In Europa existiert ein rechtliches Rahmenwerk zum Schutz von Arbeitern vor schädlichen Auswirkungen ihres Arbeitsumfelds. 

    Des Weiteren hat die Europäische Union Grenzwerte für die sichere Exposition von Schadstoffen festgelegt, bei der keine gesundheitlichen Schäden zu erwarten sind. Nicht all diese Werte sind auf dem neuesten Stand und manche Länder haben ihre eigenen Grenzwerte, wodurch die Situation in Europa nicht einheitlich ist. 

  • Belastung

    Manche Länder zeichnen die Belastung durch beruflich bedingte Lungenerkrankungen nicht auf, wodurch es schwierig für Experten ist, genaue Angaben zu der Belastung in Europa zu machen. Daten werden auf Basis von Schätzungen über die Auswirkungen solcher Erkrankungen erstellt. Diese werden durch die freiwillige Eintragung von beruflich bedingten Lungenerkrankungen in internationalen Datenbanken berechnet. 

    • Es wird geschätzt, dass 39.000 Todesfälle in Europa im Jahr 2000 auf Staub- und Dampfbelastung am Arbeitsplatz zurückzuführen waren
    • Bis zu 15% aller Asthmaerkrankungen sind auf berufliche Faktoren zurückzuführen
    • 15-20% aller COPD-Fälle werden mit beruflichen Faktoren in Verbindung gebracht
    • Die Kosten von beruflich bedingtem Asthma sind hoch - allerdings trägt diese normalerweise der Staat oder die Einzelperson, nicht der Arbeitgeber
    • Tausende von Kohlebergarbeitern in Europa leiden an Pneumokoniose
    • Berufliche Belastungen durch Schadstoffe werden für bis zu 17% aller Asthmaerkrankungen bei Erwachsenenen verantwortlich gemacht
    • Studien aus Schweden und Finnland haben gezeigt, dass 1 von 10 Bauern eine akute Inhalationsverletzung aufgrund vermehrter Staubbelastung erlitten hat
    • Es wird angenommen, dass 15% aller Fälle von Lungenkrebs bei Männern und 5% bei Frauen auf Belastungen am Arbeitsplatz zurückzuführen sind
    • Beruflich bedingtes Asthma hat bedeutende sozioökonomische Auswirkungen, auch in Ländern, die ein Rahmenwerk für die Entschädigung von Arbeitern mit beruflich bedingten Gesundheitsschäden haben
    • In manchen Ländern wurden Programme für die freiwillige Meldung von beruflich bedingten Lungenerkrankungen durch Gesundheitsfachkräfte ins Leben gerufen. Das bekannteste unter ihnen ist SWORD (Surveillance of Work Related and Occupational Respiratory Disease), welches im UK im Jahr 1989 initiiert wurde. Solche Programme helfen Experten, die Auswirkungen der Erkrankung abschätzen und Prioritäten bei der Prävention festlegen zu können

    Sterberate für Mesotheliom. Daten der World Health Organization World and Europe Detailed Mortality Databases, aktualisiert im November 2011

  • Gegenwärtige und zukünftige Erfordernisse

    • Es bedarf Anstrengungen, um die Anerkennung von durch berufliche Faktoren ausgelösten Erkrankungen zu fördern
    • Grenzwerte für die Schadstoffbelastung in Europa sind auf den neuesten Stand zu bringen und zu standardisieren, um die Belastung der arbeitenden Bevölkerung so gering wie möglich zu halten
    • Katastrophenpläne müssen vorhanden sein, um die schädlichen Auswirkungen von unfallbedingten Expositionen zu verhindern
    • Arbeiter, die einem hohen Risiko von infektiöser Lungenentzündung ausgesetzt sind, müssen die Pneumokokken-Impfung erhalten
    • Arbeitgeber müssen sich der potentiellen Kosten einer Exposition von asthmaverursachenden Wirkstoffen bewusst sein, um einen Anreiz für vorbeugende Maßnahmen zu schaffen
    • Arbeits- und Gesundheitsbehörden müssen sich realistische Ziele setzen, um die Inzidenz von Lungenerkrankungen durch Quarzstaub und Bergarbeit zu senken
    • Verstärkte Anstrengungen für die Erkennung, Meldung und Prävention von durch Hart- oder Weichmetalle verursachten Erkrankungen sind vonnöten
    • Gesetzgeber müssen den Einsatz von Nano-Materialien und deren potentielle Gesundheitsschäden untersuchen
    • Anstrengungen auf europäischer Ebene, die Exposition von krebserregenden Stoffen am Arbeitsplatz zu erkennen und einzuschränken, müssen vorangetrieben werden